Meine Weltreise – Ecuador

Da war ich nun, in einem Land, von dem ich nur wusste, dass Spanisch gesprochen wird, Quito die zweitkriminellste Hauptstadt der Welt ist und sie US-Dollar als Zahlungsmittel haben. Kaum nachdem ich durch den Zoll im Flughafen von Quito ging, fing meine Weltreise erst richtig an.

Ich versuche, hier meine Erlebnisse, soweit ich sie noch im Kopf habe, zu erzählen. Nicht alles, nicht jedes Detail, aber einige lustige Anekdoten habe ich schon noch. Ich hatte im Jahr 2001 die Schnauze voll vom Arbeiten und habe kurzerhand gekündigt. Ich hatte ein bisschen Geld auf der Seite und wollte die Welt entdecken. Die ganze Welt! Ich nahm mir ein Jahr Auszeit und erfuhr im Globetrotter Reisebüro in Baden, dass ein Jahr für die ganze Welt nicht reicht. Aber man kommt schon ganz schön weit. So ging es also los im September 2001.

Ich hatte echt Angst, als ich aus dem Flughafengebäude ging. „Hier sind ja alles Räuber, Banditen, Kriminelle,“ das wusste ich! Zumindest glaubte ich das. Der Ecuadorianer, der im Flugzeug neben mir sass, hat mir alles erklärt auf Spanisch. Gut, ich konnte ja noch kein Spanisch, und das erste Wort, das ich im meinem Wörterbuch nachgeschlagen habe, war PELIGROSO = gefährlich!!

Peligroso hier und Peligros da, auch hier Peligros und dort sowieso! Freunde, ich hatte echt Schiss! Ich bin ins Taxi reingesprungen, nachdem ich den Preis verhandelt habe. Das müsse man so machen, stand in meinem fünf Jahre alten Reiseführer. Habe dem Taxichauffeur die Adresse gezeigt vom “Hotel”, in das ich wollte. Es war nicht mehr da, das Hotel war nicht mehr da! Panik stieg langsam in mir hoch. „Ich werde sterben in Ecuador, ausgeraubt und vielleicht noch vergewaltigt. Sind Ecuadorianer Kannibalen?“, dachte ich Ich habe keine Ahnung, ich hätte mich viel besser vorbereiten sollen.

 

Der Taxichauffeur hat mir irgendwie klar gemacht, dass er mich in ein anderes Hotel bringt. Ich bin mir sicher, er gehörte zu einer Bande internationaler Organdiebe und ich würde bald ausgeschlachtet. Im Hotel angekommen bekam ich ein Zimmer. Es war schäbig, klein und hatte kein Fenster. Die Glühbirne hing an Drähten von der Decke herunter. Es gab eine Dusche und ein Klo. Es war das beste Zimmer, das ich je hatte, denn, Freunde, ich lebe noch! Ich blieb volle 17 Stunden in diesem Zimmer und habe es nicht ein einziges Mal verlassen! Ich war ein kleiner Schisser!

 

Mein Bus nach Baños ging erst am nächsten Tag. Der Busbahnhof war eine halbe Stunde vom Hotel entfernt und ich fuhr mit dem Taxi dorthin. Mein Fahrer (wir waren schon sowas wie Freunde) wollte mich die ganze Zeit überreden, mich direkt nach Baños zu fahren. Das wären etwa 5 Fahrstunden gewesen und es hätte 100 Dollar gekostet. Ja, ich habe es mir echt überlegt.

 

Kurz vor dem Busbahnhof sah mein persönlicher neuer Freund, dass der Bus nach Baños grad los fährt. Da war sie wieder, die Panik, die in mir aufstieg. Der Fahrer drückte auf die Hupe, lehnte sich aus dem Fenster und rief „BAÑOS! BAÑOS! BAÑOS!“ Der Bus hielt an, mitten auf der Strasse, einfach so.

 

Niemand störte das. Die anderen Autos umfuhren das Hindernis, es gab nicht mehr Gehupe als sonst. Gehupt wurde hier sowieso immer.
Später wurde mir erklärt, was Hupen alles bedeuten kann:

  • Achtung, ich komme
  • ich fahre nach links oder rechts
  • ich halte nicht am Stopp
  • halte doch am Stopp
  • ich kenne jemanden, der am Strassenrand steht, oder auch nicht
  • finde das Mädchen hübsch, oder auch nicht
  • fahre geradeaus
  • parke
  • bremse
  • lass dir den Vortritt
  • lasse ihn dir nicht
  • fahre in den Kreisel
  • fahre wieder raus

und so weiter!

Hupen bedeutete hier einfach alles!

Den Bus habe ich erreicht. Mein grosser Rucksack wurde unten im Stauraum verladen und ich wusste in dem Moment, ich würde ihn nie wiedersehen. Meine Habseligkeiten waren verloren in Quito, der zweitkriminellsten Stadt der Welt.

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